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E-Book-Shops im Vergleich

Der Markt für E-Books gerät in Bewegung

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Es tut sich was in Sachen E-Books. Apple hat mit dem iPad ein Gerät auf den Markt gebracht, dass das Lesen auf dem Bildschirm einfacher macht, Thalia will bald den eigenen E-Book-Reader OYO auf den Markt bringen. Doch die E-Book-Portale sind oft noch nicht ausgereift, wie der Test zeigt.
 
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Getestet von SvHi

„Digital ist besser” titelte einst die Hamburger Band Tocotronic. Was ironisch gemeint war, hat sich zumindest für die Musikbranche in den letzten Jahren bitter bewahrheitet. Die Zahlen der CD-Verkäufe sind eingebrochen und die illegalen Downloads nehmen Überhand. Die Industrie setzt als Lösungsweg auf legale Download-Plattformen wie Apples iTunes. Eine ähnliche Entwicklung bahnt sich jetzt auch auf dem Büchermarkt an: Digitales Lesen ist auf dem Vormarsch. Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, hat sich die Zahl der illegalen E-Book-Downloads im letzten Jahr um fast 54 Prozent gesteigert. Die Zeitung „Die Welt” schätzt, dass inzwischen bis zu drei Millionen Menschen täglich in Deutschland nach E-Books suchen. Der deutsche Buchhandel reagiert darauf, täglich kamen von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (06. – 10.Oktober) neue Pressemeldungen über neue E-Book-Lesegeräte, verbesserte E-Book-Portale und neue E-Book-Shops.

Grund genug für getestet.de, sich einmal dem Thema E-Books anzunehmen. Getestet wurden die großen deutschen Anbieter Libri.de, Buch.de, Buecher.de, Thalia.de und itunes.com. Nicht berücksichtigt wurde ciando.de, welches eine reine – momentan noch kleine – Plattform zum E-Book-Downloaden ist. Auch nicht berücksichtigt wurde Amazon, deren häufig angekündigte Auslieferung des Lesegeräts Kindle sich für Deutschland noch auf unbestimmte Zeit verzögert. Momentan hat der Online-Riese also noch keine E-Books im Angebot. Der Testsieger, so viel sei hier schon einmal verraten, ist iTunes.

Preisbindung statt Wettbewerb

Die gute Nachricht ist, dass alle Shops zumindest die Minimalanforderungen beim sicheren Umgang mit den Daten ihrer Kunden befolgen. Schlechte Nachrichten gibt es allerdings auch: Da sind zum einen die Preise der Anbieter, die an die Preisbindung im deutschen Buchhandel gekoppelt ist. Kauft man sich ein teures Lesegerät, wie zum Beispiel das gängige Sony-Modell rund um 200 Euro, lädt sich dann E-Books runter, die kaum billiger als die Print-Originale sind, stellt sich schnell die Frage nach dem Sinn und Zweck des E-Book-Downloads.

Doch der Markt ist durch iTunes in Bewegung geraten. Auf iTunes kann man sich schon jetzt viele Klassiker in hervorragender Qualität umsonst runterladen, der Shop lockt zudem mit ausgiebigen Leseproben und qualitativ hochwertigen Gimmicks wie Hörproben, einer digitalen Bibliothek und vielem mehr. Zudem gibt es noch Internet-Seiten wie das „Gutenberg-Projekt” (http://gutenberg.spiegel.de), wo man sich hunderte Klassiker der Literaturgeschichte umsonst und legal herunterladen kann. Die gewerblichen E-Book-Portale werden bei dieser Entwicklung kurzfristig mitziehen müssen, wollen sie nicht ihre Kunden verlieren.

Die andere wichtige Erkenntnis betrifft die Qualität mancher Shops. Kommt zum Beispiel die Buchhandelskette Thalia auf den ersten Blick mit einem aufgeräumten Internetauftritt daher, fällt sie bei genauer Betrachtung durch eine katatrophale Suchfunktion bei den E-Books auf. Bestseller-Autoren wie Frank Schätzing und David Baldacci werden hier nicht gefunden. So muss man sich mühsam durch die einzelnen Seiten klicken, wenn man ihre Bücher erwerben will.

Ein überraschender letzter Platz

Thalia.de glänzt zunächst einmal durch eine klar strukturierte Startseite. „Die ganze Welt der E-Books”, so die Eigenwerbung, lockt mit soliden Hilfestellungen für Neulinge bei den E-Books. Doch will man mehr als nur auf der Startseite stöbern, werden eklatante Mängel offenbar: Die Suchfunktion liefert keine Ergebnisse zu Bestseller-Autoren, es gibt kaum Leseproben, geschweige den Kundenrezensionen. Ähnliche Mängel weist auch der Drittplatzierte Buch.de auf. Ein Blick ins Impressum erklärt die Gemeinsamkeiten bei den Fehlern: Beide E-Book-Plattformen werden durch die gleiche Internet-Firma betreut.

Dass es auch anders geht, zeigt Libri.de. Hier zeigt man den Mut, dem Nutzer auch mal ungewöhnlichen Lesestoff zum Runterladen anzubieten, so gibt es aktuell eine Sonderaktion zu E-Books auf Plattdeutsch.

Libri bemüht sich, auf fast alle Wünsche der Kunden einzugehen. Es gibt jede Menge Sonderaktionen, vom Thema „Herbst” über „Vampirromane” bis hin zum „Deutschen Buchpreis”. Wo Libri durch Vielfalt punkte, verliert die Seite wieder durch teilweise amateurhafte Grafiken und die Missachtung gängiger Regeln fürs Lesevergnügen online: Die Schriften sind klein, wirken gequetscht und der Nutzer wird manchmal durch die schiere Masse an Text erschlagen – dabei will er doch nur wissen, wie er sich sein E-Book richtig runterladen kann.

Es gibt viel Gutes über Libri zu sagen, sie haben einen sehr freundlichen Kundenservice, versuchen den Nutzern auch einmal abwegige Bücher nahe zu bringen, kurz: Sie wollen alles richtig machen. Doch in Zeiten des iPads und der Möglichkeit, dass jeder eine Internet-Seite gestalten kann, reicht eine pixelige Grafik und überfrachtete Seiten einfach nur den vorletzten Platz.

Die Konkurrenz ist hart

Das Gedränge ist hart, die Unterschiede teilweise nur sehr gering. Landet Thalia nicht nur durch ihre schlechte Suchfunktion (siehe Einzelbericht) auf dem letzten, Libri mit einer ambitionierten aber schlecht programmierten Seite auf dem vorletzten Platz, bekommt Buch.de Bronze für den dritten Platz.

Was Buch.de von der Konkurrenz unterscheidet? Hier gibt es Sonder- und Partnerprogramme rund ums E-Book, zusätzlich bietet ein Avatar Hilfestellung bei einfachen Problemen und Fragen. Zudem hat Buch.de die Community „Alexandria” installiert, die jedoch einer Überholung bedarf. Doch hier zählt zunächst einmal der Wille: Ein Netzwerk, das einlädt, zu stöbern, sich auszutauschen und zu vergleichen, setzt Buch.de die entscheidenden Punkte von der Konkurrenz ab. Auch die Rubrik „Kunden empfehlen E-Books” ist ein gutes Gimmick, bei dem man sich Leseanregungen holen kann.

Ein (fast) erster Platz: Buecher.de

Wie man fast alles richtig machen kann, zeigt Buecher.de. Das E-Book-Portal bietet zu seinen Bewertungen tagesaktuelle Rezensionen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung an, es gibt viele Nutzerkommentare und ausführliche Buchbesprechungen.

Die E-Book-Plattform Buecher.de bietet zudem eine Vielzahl guter Kategorien. Es gibt exklusive Angebote der F.A.Z., eine große Abteilung E-Books zu Wirtschaft, Jura, Medizin und vielen mehr. Eine verbilligte Klassiker-Bibliothek, die Abteilung Prüfungswissen und ein Spezial zu Vampiren können auch durch die inhaltliche Auswahl überzeugen.

e-book-shops_vergleich_aE-Books auf dem iPad: Apple bietet zwar die beste Lösung,
doch auch die Anschaffung eines ihrer
Endgeräte muss mit einberechnet werden.

Und der Gewinner ist

Der erste Platz bei den E-Book-Portalen geht an iTunes. Der Fairness halber muss gesagt werden, dass Apple hier Endgerät und E-Book-Anbieter vereint und somit massgeschneiderte Lösungen für seine Produkte anbieten kann. iTunes überzeugt durch seine riesige Fan-Gemeinde, die streckenweise hunderte Rezensionen zu den Büchern abliefert. Die Rezensionen, lange Leseproben, Hör-Beispiele und viele weitere Informationen rund um den Autoren, das Werk, etc. sind über weite Strecken vorbildhaft.

Dabei bleibt das Hauptargument für Apple die günstigen E-Books – mit dem Nachteil, dass diese E-Books (iBooks) dann auch nur auf den entsprechenden Apple-Geräten gelesen werden können.

Alles bleibt in Bewegung

Das momentan auf dem Markt der E-Book-Downloads sehr viel passiert ist das übergeordnete Fazit dieses Tests. Alle Anbieter genügen den Mindestanforderungen bei Sicherheitsstandards und Kundenbetreuung, nur bei Buch.de kam es zu keinem telefonischen Kumdenkontakt, trotz wiederholtem Anruf.  Das E-Book – und das hat der Test gezeigt – ist eine Alternative zum herkömmlichen Taschenbuch und Hardcover, ob es eine Zukunft hat, wird sich in nächster Zeit zeigen. Vielleicht ist digitales Lesen dann bald besser.

 

    Internetauftritt (50%) Service (20%) Preise (30%) Gesamtnote Zum Anbieter  
                     
  itunes 1,4 4-5 2,2 4-0 1,4 4-5 1,6
Testbericht
 
  buecher_de 1,3 4-5 3,3 2-5 3,0 3-0 2,2
Testbericht
 
  buch_de 1,6 4-5 3,8 1-5 3,0 3-0 2,5
Testbericht
 
  libri-logo 2,4 3-5 2,8 3-0 3,6 2-0 2,8
Testbericht
 
  thalia 1,8 4-0 3,0 3-0 4,3 0-5 2,8
Testbericht
 
12. Oktober 2010

Schlagworte:

     
     
 
  1. PH sagt:

    Ich bin zwar ein goßer Fan des Hauses Macintosh, aber zum iBooks Store sollte schon gesagt werden, dass die Suchfunktion katastrophal ist. Es ist nämlich nicht möglich, eine Sprache einzustellen; man bekommt also grundsätzlich – neben der Originalsprache – viele verschiedene Übersetzungen. Auch ein deutscher Titel bedeutet leider nicht, dass eine deutsche Übersetzung “drin” ist.

  2. @SW: Die Portale haben verschiedene Zusatzkosten, die von der Preisbindung unabhäbgig sind. Ausserdem wurde in der Rubrik Preise bewertet, ob die Anbieter Download-Flatrates für E-Books haben sowie eine Schnäppchenrubrik oder zusätzlich zu den Verkaufsbüchern auch Gratisbücher. Sollten Sie dazu weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte per Mail an uns: info@getestet.de
    Vielen Dank und ein schönes Wochenende,
    Ihre Getestet-Redaktion

  3. SW sagt:

    Da es ja eine Buchpreisbindung gibt, warum werden in der Kategorie “Preise” unterschiedlicher Wertungen vergeben?

 

     
     
   

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